Reform der Pflegefinanzierung: Innovation verliert

Das neue System der Krankenhausfinanzierung benachteiligt gut geführte Krankenhäuser insbesondere in Ostdeutschland. Zu diesem Schluss kam der ehemalige ärztliche Direktor und Vorstandsvorsitzende des Uniklinkums Münster, Prof. Dr. Norbert Roeder, bei der Zeno-Veranstaltung „Pflegereform im Krankenhaus umsetzen – aber wie?“ in Berlin, auf der Führungskräfte aus Kliniken eine Praxisanleitung für den Umgang mit dem reformierten System der Fallpauschalen und dem neuen Pflegebudget erhielten. Der Workshop findet auch am 11. März in München statt.

Roeder sagte in Berlin: „Das innovative gut organisierte Krankenhaus wird tendenziell zu den Verlierern dieser Reform gehören.“ Gewinner seien Krankenhäuser in den alten Bundesländern, vorrangig im Süden, und generell Krankenhäuser mit hohen Pflegekosten in der Vergangenheit. Welche konkreten rechtlichen und abrechnungstechnischen Folgen das neue Abrechnungsregime für die Krankenhäuser in Verbindung mit den seit vergangenem Jahr geltenden Pflegepersonaluntergrenzen hat, und auf welche sensiblen Punkte es bei den Verhandlungen mit den Krankenkassen zu achten gelte, machte Dr. Holger Bunzemeier, neben Roeder geschäftsführender Partner bei Roeder & Partner Ärzte, deutlich.

Die Reform des Krankenhaus-Entgeltsystems von Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) ändert die Finanzierungsbedingungen für Kliniken: Die Pflegekosten werden künftig zum Großteil nicht mehr über die Fallpauschalen finanziert, die Krankenhäuser für erbrachte medizinische Leistungen erhalten. Stattdessen erhalten Krankenhäuser die tariflichen Kosten der Pflege eins zu eins von den Krankenkassen erstattet.

Daraus ergebe sich, dass die entscheidende Herausforderung für Krankenhäuser in diesem Jahr sei, Fachkräfte zu gewinnen, insbesondere in der Pflege, sagte Roeder. Wie Kliniken diese Herausforderung konkret erfolgreich meistern können, erklärte Anne Ertel, Pflegedirektorin am Krankenhaus Weilheim-Schongau. Insbesondere veranschaulichte sie, wie eine gute Online-Präsenz helfen könne, Bewerber anzuziehen.

Deutschlandweit suchen Krankenhäuser händeringend nach Pflegekräften, ohne zu sehr auf die Personalausgaben achten zu müssen, da sie die Kosten eins zu eins von den Krankenkassen erstattet bekommen. Um dieses Geld aber wirklich zu bekommen, müssten die Klinikmanager und Pflegedirektoren ihre Hausaufgaben erledigen, machte die Pflegewissenschaftlerin Judith Babapirali, Mitglied in der von Roeder gegründeten DRG-Research Group, deutlich. „Überprüfen Sie ihre bisherige Buchungspraxis im Personalkostenbereich!“, forderte Babapirali die Teilnehmer auf. Die Diplom-Pflegewissenschaftlerin erklärte, wie ein gutes Pflegecontrolling im Krankenhaus aufgebaut ist.

Klinikmanager und Führungskräfte aus der Pflege, die derzeit noch an der Umsetzung der Pflegereform (Pflegebudget und Pflegepersonaluntergrenzen) arbeiten, können sich hier über die Neuauflage des Workshops am 11. März in München informieren und anmelden: https://www.zeno24.de/veranstaltung/pflegereform-ws-muc-2/

Wer Pflegekräfte im Ausland anwerben will und sich über den richtigen Weg informieren möchte, kann dies auf der Zeno-Veranstaltung „Fachkräfte-Recruiting im Ausland – Was Geschäftsführer darüber wissen müssen“ unter folgendem Link tun: https://www.zeno24.de/veranstaltung/fachkraefte-recruiting-im-ausland/

Wie es mit den Krankenhausfinanzen nach der Entgeltrevolution in den kommenden Jahren weitergehen wird, diskutieren Spitzenvertreter aus Politik und Selbstverwaltung am 5. März auf dem „Pflexit Summit 2020“ in Berlin, unter anderem begrüßt der Veranstalter Zeno dann InEK-Leiter Dr. Frank Heimig, Georg Baum, den Hauptgeschäftsführer der Deutschen Krankenhausgesellschaft und Franz Knieps, Hauptamtlicher Vorstand des BKK-Dachverbands.