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„Nachsteuerungsbedarf“ bei Krankenhaus-Rettungsschirm

Das Krankenhaus-Entgeltsystem für die Corona-Krise dürfte vor einigen Änderungen stehen. Matthias Mohrmann, Vorstand der AOK Rheinland/Hamburg und Mitglied im Fachbeirat beim Bundesgesundheitsministerium (BMG), der die finanziellen Folgen der Corona-Krise für die Krankenhäuser untersuchen soll, machte dies am Montagmittag bei ZENO to go deutlich. Mohrmann sprach von einer „zweiten Phase“ der Corona-Krise und stellte in diesem Zusammenhang infrage, ob die 560 Euro, die Krankenhäuser derzeit pauschal pro Nacht bekommen, in der sie Betten für mögliche Covid-19-Patienten freihalten, in dieser Höhe angebracht seien.

Es gelte nun zu prüfen, „welche für Fehlanreize von den 560 Euro ausgehen“, sagte der AOK-Vorstand und verwies auf „einzelne Berater“, die Krankenhäusern rieten, lieber Betten leer stehen zu lassen anstatt den Betrieb wieder aufzunehmen. „Das finde ich falsch, und über solche Dinge müssen wir uns austauschen“, sagte Mohrmann. Dabei gelte es vor allem auch zu prüfen, ob die 560 Euro weiterhin gleich für verschiedene Versorgungsstufen gelten sollten, also von der Universitätsklinik mit Spitzenmedizin bis hin zum Grundversorger. Mohrmann sagte, dass es nun „Nachsteuerungsbedarf“ beim Krankenhaus-Rettungsschirm gebe.

Sollte sich die Krise wieder verschlimmern, könnten die ursprünglichen Ideen der AOK wieder in die Diskussion kommen, anstatt der Pauschale pro Bett den Krankenhäusern Budgets auf Basis des Jahres 2019 zu zahlen. Allerdings sagte Mohrmann, dass er nicht mit einer zweiten Welle rechne: „Wir haben die Situation relativ gut im Griff. Die Krankenhäuser kommen mit der Situation gut zurecht, es gibt keine Anhaltspunkte, dass sich die Situation verschlechtert.“

Die Covid-19-Krise ist für den AOK-Vorstand kein Grund, nicht weiter über den Umbau der Krankenhauslandschaft in Deutschland nachzudenken. „Wir müssen überlegen: Wie lässt sich mit einer Krise umgehen, wenn sie denn kommt. Und trotzdem müssen wir über Krankenhausstrukturen sprechen“, sagte Mohrmann und ergänzte: „Die Corona-Krise zeigt im Grund sogar noch geschärft, was wir machen müssen. In der Tat braucht man nicht alle Kliniken, die wir heute haben.“ Nötig seien vor allem bessere Abstimmungen vor Ort, wie dies jetzt in der Krise teils vorbildlich passiere. Auch in der Fläche müsse weiter die Erreichbarkeit von Grund- und Regelversorgern gesichert sein.

Sorgen bereitet Mohrmann die Situation in der Altenpflege. Dort drohten vermehr Infektionen mit einem hohen Anteil schwerer Verläufe. Der Krankenkassen-Vorstand erneuerte deshalb seine Idee, infizierte pflegebedürftige Bewohner von Pflegeheimen in – leerstehende oder zum Teil leerstehende – Krankenhäuser zu verlegen, selbst wenn diese keinen unmittelbaren Bedarf für einen Klinikaufenthalt hätten. Das Ziel sei, diese Patienten besser isolieren zu können und das Infektionsrisiko zu senken.  Auch Rehakliniken könnten hierfür geeignet sein.

Um finanziellen Fehlanreizen vorzubeugen plädiert Mohrmann dafür, die 560 Euro Tagespauschale für frei gehaltene Betten in diesen Fällen weiter zu zahlen, zumindest solange, bis ein besseres Entgeltsystem gefunden sei. Auch hier müsse der Krankenhaus-Rettungsschirm verändert werden. Zugleich warnte Mohrmann vor zu großen Erwartungen: Es werde nicht möglich sein, dass „Krankenhäuser, die vorher schon eine schwierige wirtschaftliche Lage hatten, über diesen Rettungsschirm oder Schutzschirm stabilisiert werden“.



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