GKV-SV: Weg von der Nacht!

Von Dr. Stephan Balling

Krankenhäuser sollen sich dringend mit dem neuen Prüfregime des Medizinischen Dienstes (MD) befassen, rät Johannes Wolff, Referatsleiter Krankenhausvergütung beim GKV-Spitzenverband, im Gespräch mit „Transformation Leader“ (TL) am Rande der ZENO-Veranstaltung „Die Ambulantisierung der stationären Versorgung – Umbaupläne an der der Sektorengrenze“ am 24. Januar. Ab dem kommenden Jahr gilt das System quartalsbezogener Prüfquoten. Krankenhäuser mit weniger als 60 Prozent unbeanstandeten Rechnungen müssen dann mit signifikanten Abschlägen rechnen. Die Details und die Sicht der Krankenkassen auf dieses neue Verfahren der Abrechnungsprüfung erklärte Wolff auf der ZENO-Veranstaltung.

Dabei ging er insbesondere auch auf die neuen Regeln für ambulante Operationen (AOP-Katalog) ein, die das MDK-Reformgesetz vorsieht. Die Verbände der Selbstverwaltung verhandeln darüber gerade auf Bundesebene und sollen bis Ende März einen Forschungsauftrag dazu ausgeschrieben haben. Wolff sprach im Anschluss mit TL von einer „neuen Welt“: Künftig unterlägen Abrechnungen der Krankenhäuser, die in die Rubrik „ambulant“ fielen, zwar nicht mehr der MD-Prüfung, aber wenn der MD eine primäre Fehlbelegung feststelle, seien solche Fälle vorstationär abzurechnen. Wolff weiter: „Die Ambulantisierung kommt in jedem Fall. Die Krankenhäuser müssen sich darauf einstellen.“

Wolff sagte darüber hinaus, dass er sich selbst ein deutlich anderes System vorstellen könne. „Ich will weg davon, dass eine Nacht einen vollstationären Fall auslöst.“ Statt dieses starren Denkmusters sprach er sich für abrechenbare „Nachbeobachtungsfenster“ je nach Schweregrad der Leistung aus. „Dann geht es nicht mehr um die DRG.“

Neben Johannes Wolff referierten auf der ZENO-Veranstaltung Prof. Dr. Erika Raab, Geschäftsführerin der Kreisklinik Groß-Gerau und stellvertretende Vorstandsvorsitzende der Deutschen Gesellschaft für Medizincontrolling, Bernd Beyerle, Leiter des Geschäftsbereichs Versorgungssteuerung der Techniker Krankenkasse, Rechtsanwalt Prof. Dr. Bernd Halbe und Dr. Rüdiger Söder, Gründer des MICMA-Zentrum Mainz.

Die nächste ZENO-Veranstaltung findet am 29. Januar in Berlin zum Thema „DRGs und Pflegebudget 2020 – Entgeltverhandlungen erfolgreich vorbereiten und abschließen“ statt, unter anderem mit InEK-Chef Dr. Frank Heimig. Heimig wird auch auf dem „Pflexit-Summit 2020 – Krankenhausfinanzen nach der Entgeltreform“ referieren.

Alle ZENO-Veranstaltungen im Überblick finden Sie auch hier: https://transformationleader.de/live/seminare/

Pflexit Summit 2020

05.03.2020 in Berlin

  • Pflegecontrolling und Krankenhausfinanzierung
  • MDK-Reformgesetz
  • G-DRG-System 2020
Pflexit Summit 2020