Feilen an der Innovationsstrategie

Die meisten Organisationen der deutschen Gesundheitswirtschaft arbeiten nach eigenen Angaben mittlerweile mit einer klaren Innovationsstrategie, wenngleich die Mehrheit zugibt, nicht über eine eigens ausformulierte zu verfügen. Wie wichtig ist das? Strategiepapiere sind oftmals nicht mehr als eben das: Papiere. Und solches ist bekanntlich geduldig. Doch lässt sich darauf verzichten?

In ihrem „Power Pocket Innovationsmanagement“ definieren die Autoren Dr. Tobias Müller-Prothmann und Nora Dörr, dass eine Informationsstrategie „alle strategischen Aussagen für die Generierung von Innovationen, also die Entwicklung, Umsetzung und Vermarktung neuer Produkte, Dienstleistungen oder Verfahren“ umfasst. 

Müller-Prothmann und Dörr unterscheiden verschiedene Formen von Innovationsstrategien: Einerseits können Organisationen technologiegetrieben agieren. Bei solch einer „Push Strategie“ treibt der Anbieter selbst Innovationen voran, orientiert sich an seinen eigenen Forschungs- und Entwicklungsaktivitäten und muss einen neuen Markt erst finden oder gar schaffen. 

Dem gegenüber steht andererseits ein nachfrageorientierter Ansatz, also eine „Pull Strategie“. Dabei kommt der Antrieb von Innovationen vom Markt. Die Nachfrage besteht, das Produkt gilt es erst noch zu entwickeln.

Unterschieden werden kann darüber hinaus unter dem Blickwinkel des Zeitpunkts für eine Markteinführung. Folgt das Unternehmen einer Pionierstrategie („First to Market“) oder einer Folgestrategie („Follow the leader“, Imitationsstrategie), will es also eine Innovation als erster Anbieter auf den Markt bringen und sich damit im besten Fall für eine gewisse Zeit ein Quasimonopol verschaffen, oder lässt es lieber anderen den Vortritt, und bemüht sich dann, ein womöglich verbessertes oder günstigeres Nachahmerprodukt auf den Markt zu bringen?

Die Entscheidung für die passende Strategie hängt von vielen Faktoren ab, etwa der Wettbewerbssituation oder den eigenen Kernkompetenzen. Eine Push Strategie personifizierten Persönlichkeiten wie Henry Ford oder Steve Jobs. „Wenn ich die Leute gefragt hätte, was sie wollen, hätten sie gesagt, schnellere Pferde“, soll der Erfinder des Automobilbaus für den breiten Markt gesagt haben. Und der iPhone-Erfinder erklärte einst: „Es ist sehr schwierig, Produkte von Marketing-Fokusgruppen kreieren zu lassen. Oftmals wissen Menschen nicht, was sie wollen, bis man es ihnen zeigt.“

Die deutsche Gesundheitswirtschaft fährt mehrheitlich einen anderen Kurs als Ford oder Jobs. Das Gros versteht sich als „Need Seeker“ oder „Market Reader“, setzt darauf, bestehende Kundenwünsche zu erfüllen, also auf eine nachfrageorientierte Pull Strategie. Im Fokus stehen also die Wünsche der Kunden und Patienten, wobei Innovation durchaus Chefsache ist. 71,4 % der Umfrageteilnehmer geben immerhin an, dass ihr Topmanagement Innovationen will und aktiv mitgestaltet. Auch in den Krankenhäusern scheint die Führungsriege Innovationen vielfach zu ihrem Thema zu machen.   

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