Fehlanreize im Corona-Entgeltsystem: Dokumentieren!

Der Krankenhaus-Schutzschirm im Zuge der Covid-19-Krise birgt große finanzielle Fehlanreize. Davor warnten Experten am Donnerstagmittag beim Webcast „ZENO to go“. Es sei derzeit finanziell lukrativer, ein Bett leer stehen zu lassen, als normale Akutpatienten zu behandeln, sagte Marie le Claire, kaufmännischer Vorstand der Universitätsmedizin Greifswald. „Diese Patienten gehören aber auch zu unserem Versorgungsauftrag“, sagte sie. 

Zugleich beobachte sie, dass Patienten den Gang ins Krankenhaus scheuten, weil sie fürchten, sich mit dem Corona-Virus zu infizieren. „Wir sehen, dass die Anzahl der Herzinfarkte und Schlaganfälle zurückgeht“, sagte sie und sprach sich für eine verstärkte Aufklärungsarbeit aus.  

Patienten müssten wissen: „Kommen Sie bitte ins Krankenhaus, wenn Sie die folgenden Symptome haben.“ 

Manuel Berger, Geschäftsführer von consus clinicmanagement, forderte die Krankenhäuser auf, ihre freien Intensivkapazitäten bei der Fachgesellschaft DIVI zu melden. Zugleich riet er Kliniken, ihre Ethik-Komitees so ausstatten, dass sie 24/7 entscheidungsfähig seien, insbesondere dann, wenn eine sehr hohe Anzahl an Patienten stationär behandelt werden muss, ohne dass es dafür ausreichend viele Betten gibt. 

Berger wies darauf hin, dass derzeit Kliniken mit hohem Personalkostenanteil, insbesondere Uniklinika, finanziell tendenziell benachteiligt würden. Er riet den Krankenhäusern, trotz der Pauschalzahlungen, die sie nun erhalten sollen, ihre Fälle genau zu dokumentieren, da die Politik möglicherweise rückwirkend Fehlanreize beseitigen werde. Berger verwies auf die Ehec-Krise vor einigen Jahren, damals habe es auch rückwirkend Ausgleichsmechanismen gegeben. „Unser Rat: sauber dokumentieren“, sagte Berger.  

Der gesamte Webcast vom 2. April lässt sich hier noch einmal abrufen: 

Am Freitag, 3. April, ist Dr. Ursula Becker, geschäftsführende Gesellschafterin der Dr. Becker Unternehmensgruppe, zu Gast bei ZENO to go. Sie wird über die Situation der Reha in der aktuellen Situation berichten und wie sie den aktuellen Krankenhaus-Rettungsschirm beurteilt, nachdem sie den ersten Entwurf in den sozialen Medien heftig kritisiert hatte.