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Die Revoluzzer der Gesundheitsbranche: Biomarker-Tattoos

Die Entdeckung von Penizillin half Millionen Menschen weltweit. Heutige Neuerungen in der Gesundheitsbranche sind hingegen oft technischer Natur und nutzen neuartige Stoffe und Verfahren, um Krankheiten zu heilen, vorherzusagen oder zu lindern. Einige davon haben die Chance, das „neue Penizillin“ zu werden und die Gesundheitsbranche zu revolutionieren.

Von Jennifer Garic und Jerome Busch

Die tätowierten Sterne auf der Haut wechseln ihre Farbe: Von gelb zu blau, von hell- zu dunkelgrün und von weiß zu blau. Was sich nach einer netten Spielerei anhört, hat reinen medizinischen Nutzen. Verfärbt sich der gelbe Stern blau, ist der pH-Wert im Blut gestiegen. Die beiden anderen farbigen Tattoos zeigen an, wie hoch die Glucose- und Albuminwerte sind.

Auf die Idee kam der Forscher Ali K. Yetisen. Er hat gemeinsam mit einem Team von der Technischen Universität München die diagnostischen Tattoos entwickelt. An einem Stück Schweinehaut haben sie die chemischen Sensoren wie bei einem Tattoo in der Dermis platziert. Das ist die etwa einen Millimeter dicke Hautschicht, in der Nerven und Blutgefäße liegen. Ist die Farbe einmal in dieser Schicht, bleibt sie dort. Als die Forscher anschließend den pH-, Albumin- oder Glucosewert änderten, verfärbte sich die Haut. Da nicht jeder ablesen kann, wie grün die Haut nun wirklich ist und für welchen Glucosewert die Farbe steht, haben die Forscher eine App entwickelt. Die Smartphone-Kamera kann die Farbe der Tattoos aufnehmen und in Zahlen umwandeln. So können auch Laien in Sekundenschnelle Gesundheitswerte abfragen.

Die Forscher erhoffen sich, dass Patienten mithilfe der Tattoos in Zukunft früher Erkrankungen erkennen. Ein hoher Glucosespiegel kann zum Beispiel ein Anzeichen für Diabetes sein. Sinkt der Albuminwert im Blut, könnte der Patient an Leber- oder Nierenschäden leiden. Somit ermöglichen die Sensor-Tattoos laut Aussage der Forscher eine permanente und einfache Überwachung, die zudem preiswert ist. Finden die Münchner passende farbverändernde Sensoren, um Elektrolyte, Krankheitskeime oder Dehydrierung zu messen, könnten sie weitere Krankheitssymptome beobachten. Allerdings müssen Studien erst noch zeigen, wie gut die Sensoren letztlich bei Menschen funktionieren. Klappt alles so, wie von den Forschern angedacht, könnten Menschen mit solchen Tattoos bei Gesundheitsproblemen früher einen Arzt aufsuchen. Denn die Veränderung im Tattoo könnte schon auftreten, bevor eine Erkrankung spürbar wird. Chronisch Kranke könnten zum Beispiel per Smartphone-App den aktuellen Zustand ablesen und an den behandelnden Arzt weiterleiten.

Wie wahrscheinlich ist es, dass die Erfindung zum Einsatz kommt?


Die Revoluzzer der Gesundheitsbranche: