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Die Revoluzzer der Gesundheitsbranche: Automatisierte Radiologie

Die Entdeckung von Penizillin half Millionen Menschen weltweit. Heutige Neuerungen in der Gesundheitsbranche sind hingegen oft technischer Natur und nutzen neuartige Stoffe und Verfahren, um Krankheiten zu heilen, vorherzusagen oder zu lindern. Einige davon haben die Chance, das „neue Penizillin“ zu werden und die Gesundheitsbranche zu revolutionieren.

Von Jennifer Garic und Jerome Busch

Ist die Lunge in Ordnung? Kommt das Ziehen in der Brust vom Herzen? Oft greifen Ärzte bei Herz- und Lungenbeschwerden zum Röntgenapparat, um erste Symptome und Veränderungen zu erkennen. Wenn es nicht gerade um einen Knochenbruch geht, müssen Patienten teils wochenlang auf die Ergebnisse der Untersuchung warten. „In Großbritannien warten schätzungsweise mehr als 300.000 Röntgenbilder über 30 Tage auf eine Auswertung“, sagt Statistikprofessor Giovanni Montana von der Universität Warwick. So lange müssen Patienten mit der Ungewissheit und ohne Behandlung leben.

Damit es in Zukunft schneller geht, könnte künstliche Intelligenz (KI) den Blick des Radiologen ersetzen. Um den dahintersteckenden Algorithmus anzulernen, haben Statistikprofessor Montana und seine Forschungsgruppe über 470.000 anonymisierte Röntgenbilder vom Brustkorb verwendet. Das System sollte anhand der Bilder lernen und erkennen, wie dringend ein Radiologe sich das Bild noch einmal genauer anschauen sollte. In 94 Prozent der Fälle hat das System zuverlässig erkannt, ob auf dem Röntgenbild ein gesunder Brustkorb zu sehen ist oder ob es kritische Anzeichen gibt. Im Test der Forscher mussten kritische Patienten statt 11,2 nur noch 2,7 Tage auf die Diagnose warten.

KI könnten Kliniken auch bei CT- und MRT-Untersuchungen einsetzen, sagt Montana. Das testen gerade die Siemens-Gesundheitssparte Siemens Healthineers und die Technische Universität München mit Fördergeldern des Bayrischen Staatsministeriums für Wirtschaft und Medien, Energie und Technologie. Das Projekt namens RAPIDS soll Kliniken verknüpfen und so bessere Ergebnisse ermöglichen. Ärzte sollen künftig MRT- und CT-Bilder an einen Server senden. Auf dem Weg dorthin anonymisiert das System die Bilder, bevor ein Algorithmus diese analysiert. Im Gegensatz zum US-Projekt sortiert das System die Bilder nicht nur nach Dringlichkeit, sondern ermittelt bereits Krankheitsbilder. RAPIDS erstellt daraufhin einen automatisierten Befund, in dem zum Beispiel die Größe von Tumoren oder die Anzahl von Metastasen eingetragen sind. Der behandelnde Arzt kann diesen Befund abrufen und weitere Daten ergänzen.

Kommen solche KI-Systeme flächendeckend zum Einsatz, senken sie nicht nur die Wartezeit für Patienten, sondern bieten ebenfalls neue Möglichkeiten für medizinische Studien. Nutzen mehrere Kliniken etwa RAPIDS für CT- und MRT-Bilder, erstellen alle Ärzte einheitliche und strukturierte Befundtexte. Diese wiederum machen Patientenakten besser vergleichbar.

Wie wahrscheinlich ist es, dass die Erfindung zum Einsatz kommt?


Die Revoluzzer der Gesundheitsbranche: